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Das neue Frankfurt

Da sitze ich letzte Woche im ICE von Zürich nach Frankfurt und gebe mich der Lektüre „Mobil – Das Magazin der Deutschen Bahn“ hin. Dabei finde ich einen Artikel so faszinierend, dass ich diesen hier leicht gekürzt wiedergeben möchte – Es folgt eine kleine Liebeserklärung resp. Aufklärung über Frankfurt – eine allzu unterschätzte Grosstadt die in Punkto Flair, Kontraste und Lebensqualität Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München in Nichts nachsteht.

Das Frankfurter Bahnhofsviertel. Einst lebte hier das Grossbürgertum. Dann rutschte das Bahnhofsviertel ab, Prostitution und Drogenszene verschreckten viele Menschen. Jetzt wandeln sich die Straßen wieder. Zwischen Imbissbuden und Cabarets eröffnen schicke Restaurants und Bars. Selten zuvor war Frankfurt so bunt, so lebendig und so großstädtisch.  

Frankfurt ist plötzlich spannend. Das Zeit Magazin hat der Stadt eine ganze Ausgabe gewidmet, im Mittelpunkt: das Bahnhofsviertel. Auch die New York Times empfahl ihren Lesern, hinzufahren, weil rund um den Bahnhof Aufbruchstimmung herrsche, weil es dort so sexy sei.

Das war nicht immer so. Lange Zeit war das Bahnhofsviertel eine No-Go Area, ein toter Winkel im Zentrum der Stadt. Das hat sich geändert. Baukräne stehen vor Häusern mit bröckelnden Fassaden, und Schilder weisen auf neue Eigentumswohnungen hin, die hier entstehen. Im Wochentakt öffnen Restaurants und Bars. Und zur Bahnhofsviertelnacht, einer Veranstaltung, die einst ins Leben gerufen wurde, um Berührungsängste abzubauen, kamen zuletzt 50’000 Besucher.

David und James Ardinast überrascht das nicht: »Das Viertel hat unglaublich viel Flair«, sagen die beiden Brüder, die in Frankfurt geboren und aufgewachsen sind. »Besonders im Sommer, wenn sich alles auf der Straße abspielt, hast du nicht das Gefühl, in Deutschland zu sein, sondern irgendwo im Süden.«

In Frankfurt leben über 140 Nationen auf kleinem Raum. Wer durch die Straßen geht, hat mitunter alle 20 Sekunden das Gefühl, nicht in einem, sondern in zig verschiedenen Vierteln zu sein, so schnell ändert sich die Szenerie: In »Alims Fischimbiss« legt ein Mitarbeiter tellergroße Taschenkrebse in die Auslage. Ein Pärchen betritt das Restaurant »Urban Street Kitchen«. Ein anderes Pärchen betritt einen Sexshop, der »Dr. Müller« heißt. Zwei Banker eilen an einem Geschäft vorbei, das gleichzeitig Reisebüro und Bestattungsinstitut ist. Eine Gruppe von Kunststudenten diskutiert vor einem weißen Ausstellungsraum. Der Besitzer eines pakistanischen Gemischtwarenladens ordnet in seinem Schaufenster die Gläser mit der scharfen Sauce. Langsam füllt sich die Szenebar »Plank« und der Einlasser der Animierbar »Pik Dame« wartet in leopardengemustertem Hemd auf Kundschaft.

Das Bahnhofssviertel ist so spannend weil es authentisch ist. Kein Disneyland. Nicht so touristisch wie die Reeperbahn in Hamburg. Aber eigentlich ist das Bahnhofsviertel ein Viertelchen, denn lediglich 3500 Menschen leben hier. Es sind nur ein paar Strassen zwischen Hauptbahnhof und Bankenviertel, zwischen Mainufer und dem teuren Westend. Für die Frankfurter waren diese Strassen immer besonders, im positiven wie im negativen Sinne. Der Hauptbahnhof, durch die ufangreiche Modernisierung bis 2019 nun ebenfalls im Wandel, war 1888 eingeweiht worden, damals vor den Toren der Stadt. In den Folgejahren entstand das Bahnhofsviertel, das die Lücke zur Innenstadt mit grosszügigen Gründerzeitbauten schloss.

Nach dem zweiten Weltkrieg kamen die Menschen, weil die Häuser den Bombenhagel der Allierte überstanden hatten – im Gegensatz zu den Fachwerkbauten der Altstadt. Doch in den 50er Jahren öffneten die ersten Peepshows und Bordelle. Das Viertel wurde zum Rotlichtbezirk, zur Spielwiese amerikanischer Soldaten, die in der nahegelegenen Gutleutkaserne stationiert waren. Nicht nur Prositution, auch der Drogenhandel nahm Überhand.

Doch warum wurde das Bahnhofsviertel nicht schon früher wiederentdeckt? Es liegt zentral, die Mieten sind günstig, und die Nähe zum Rotlichtbezirk ist in Städten wie Hamburg auch kein Hindernis gewesen. Vielleicht liegt es daran, dass viele Künstler lange Zeit einen Bogen um FFM machten. Oder nicht länger blieben als nötig. Häufig ist es die Kreativszene, die sich einer heruntergekommenen Gegend neu annimt. Doch Frankfurt hat den Ruf, eine kühle Bankenmetropole zu sein. Oder hessische Provinzstadt mit piefiger Apfelwein-Romantik – Dabei gibt es hier renommierte Kunst-Institute und eine der höchsten Museendichten in Deutschland.

Das Bahnhofsviertel wurde lange übersehen – jetzt merken viele erst, dass sich Frankfurt wie eine richtige Grosstadt anfühlen kann. Das Umfeld ist urban und mit vielen Widersprüchen. Und gerade deswegen wird das neue Szenequartier auch in Zukunft noch ein bisschen Schmuddelecke sein. Doch so mancher Frankfurter reibt sich verwundert die Augen: Ausgerechnet dieses Bahnhofsviertel trägt dazu bei, dass sich das Image der ganzen Stadt gebessert hat.

Originaltext: Oliver Keppler
Bild: Informiere-dich.de

Veröffentlicht von

Marc

Marc

mag Grafik und Design. Joggen. Macbook. Das Gefühl nach dem Joggen. Couchsurfing. Ironie & Sarkasmus. Milchschokolade. Dinge erschaffen. Entscheiden. Liebe zum Detail. Luftpolsterfolie zerdrücken. Rotwein. Frankfurt. Erwartungen übertreffen. Neugierde. Funktionierender HTML code. Diskussionen mit Tiefgang. Reisen.

48 Gedanken zu „Das neue Frankfurt“

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